Personalfragebogen als Arbeitsvertrag: Geht das?

Mittwoch, 11.10.2017

Arbeitgeber haben ein berechtigtes Interesse, Bewerber vor einer möglichen Anstellung besser kennenzulernen. Vorrangig geht es darum, ihre Fähigkeiten einzuschätzen, fachlich und bei der Sozialkompetenz. Der Personalfragebogen soll dem Arbeitgeber also helfen, zu einer soliden Einschätzung zu kommen. 

Viele Arbeitgeber räumen dem Fragebogen einen hohen Stellenwert ein und betrachten ihn als wichtigen Teil des Arbeitsvertrages. Dabei sind dem Wissensdurst allerdings Grenzen gesetzt: Stellt ein Arbeitgeber im Personalfragebogen unzulässige Fragen, darf der Bewerber mit einer bewussten Lüge darauf antworten.

Das Persönlichkeitsrecht

Die Grenzen für den Arbeitgeber werden durch das Persönlichkeitsrecht des Bewerbers gezogen. Verkürzt gesagt: Den Arbeitgeber darf nur interessieren, was im Zusammenhang mit dem angestrebten Arbeitsverhältnis steht. Fragen nach dem Kinderwunsch oder einer geplanten Heirat gehören da bestimmt nicht dazu, wohl aber Fragen nach der Ausbildung und den vorhandenen Sprachkenntnissen. Auch die Frage nach einer HIV-Infektion kann zum Beispiel statthaft sein, wenn sie die Einsatzmöglichkeiten beschränken würde.

Wie ernst die Frage des Personalfragebogens genommen wird, lässt sich schon an der Zustimmungspflicht des Betriebsrates ablesen.

Was, wenn doch unlauter gefragt wird?

Sollten Ihnen im Personalfragebogen unzulässige Fragen begegnen, können Sie die Antwort verweigern oder lügen. Beides ist legitim, der Interessenkonflikt wurde schließlich nicht von Ihnen verursacht.

Machen Sie allerdings bei legitimen Fragen falsche Angaben, rechtfertigt das auch später noch die fristlose Kündigung. Hier ist also Vorsicht geboten. Wer arbeitet schon gern mit der ständigen Gefahr, doch noch entlassen zu werden?     

Personalfragebogen als Arbeitsvertrag    

Im Regelfall wird der Personalfragebogen den Arbeitsvertrag nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Auch ein Fragebogen, möglicherweise um einige Eckdaten ergänzt, könnte aber als Arbeitsvertrag herhalten. Schließlich gibt es für den Arbeitsvertrag keine formalen Vorschriften. Er gilt auch mündlich oder auf einer Serviette. 

Frau mit Fragebogen

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