Lenßens Tipp: Vorsicht! Auch das Wohngeldamt schaut Reality-Shows…

Donnerstag, 01.10.2015 Ingo Lenßen

„Anfang 2015 hatte ich für mich und meine zwei Kinder einen Antrag auf Wohngeld gestellt und gleichzeitig meinen Mietvertrag beigelegt. Doch jetzt hat das Amt meinen Antrag überraschend abgelehnt, weil mich die Sachbearbeiterin in der Fernsehsendung „Frauentausch“ gesehen hatte. Und jetzt behauptet sie, dass man darin ganz klar hätte erkennen können, dass ich mit meinem Vermieter in einer Lebensgemeinschaft lebe und ich aufgrund dessen keinen Wohngeldanspruch hätte. Das ist doch unfair! Kann ich dagegen klagen?“

Wenn die Sachbearbeiterin Sie tatsächlich in der Fernsehsendung erkannt hat und die Vorwürfe stimmen, sollten Sie lieber nicht klagen! Denn es ist tatsächlich so, dass der Antrag auf Wohngeld abgelehnt werden kann, wenn der Antragsteller mit dem Vermieter als Paar (also in eheähnlicher Wohngemeinschaft) zusammenlebt. Wenn Sie jetzt trotzdem auf das Geld bestehen, riskieren Sie, dass das Amt noch einmal ganz genau nachschaut und feststellt, dass in Ihrem Fall sogar ein Missbrauch oder Erschleichen von Geld vorliegt. Dazu kommt, dass die Behörde die erlangten Informationen auch dann gegen Sie verwerten kann, wenn diese aus dem Fernsehen stammen. Sie müssen sogar damit rechnen, dass das Amt bei dem Fernsehsender anruft und sich erkundigt, ob die gezeigten Umstände der Realität entsprechen oder nur Teil „einer Rolle“ sind. Wenn also doch ein Fünkchen Wahrheit in der Behauptung der Sachbearbeiterin drinsteckt - dann lassen Sie die Sache lieber auf sich beruhen!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Berlin Urt. v. 08.09.2015, Az. VG 21 K 285.14

Frauenmund

Weitere Artikel

Kommentare