Lenßens Tipp: Darf ich den Glühweinbecher vom Weihnachtsmarkt behalten? Ich habe doch dafür bezahlt!

Sonntag, 21.12.2014 Ingo Lenßen

Weihnachtsmarkt ohne Glühwein? Geht irgendwie gar nicht. Schließlich wärmt er sowohl Seele wie Hände. Leider macht aber schon ein einziger Becher etwas übermütig. Und so gehört es für viele einfach dazu, den bunten Glühweinbecher als Andenken mitzunehmen. Doch darf man das eigentlich?

Allein am Eröffnungstag des diesjährigen Leipziger Weihnachtsmarktes wurden über 2000 der bunten Becher geklaut. Das ist eigentlich kein Wunder, sind sie doch mit dem Logo zum 1000-jährigen Stadtjubiläum bedruckt. Und bis zum Ende des Weihnachtsmarkts werden 30 000 Tassen fehlen – bei 2,50 € Tassenpfand also Geschirr für satte 75.000.- €, die sich dann in deutschen Küchenschränken wiederfinden. Für die Marktbetreiber offenbar gar kein schlechtes Geschäft. Denn was könnten sie mit den Bechern wohl im kommenden Jahr anfangen?

Die Becher sind nicht käuflich

Aber darf man ihn denn jetzt mitnehmen, oder darf man nicht? Nun, einerseits könnte man argumentieren, dass es eine Unterschlagung ist. Denn das gezahlte Pfand ist keinesfalls gleichzusetzen mit einem Kaufpreis. Das bedeutet im Klartext: Eigentümer des Bechers bleibt der Standbetreiber. Und damit, dass er ein Pfand verlangt, signalisiert er unmissverständlich, dass er den Becher eben nicht übereignen, sondern nur verleihen will. Andererseits könnte man genauso gut sagen, dass es keine Unterschlagung ist, da der Standbetreiber die Tasse gar nicht behalten will, da ihm die 2,50 € eigentlich lieber sind…

Mehr Pfand, als die Tasse wert ist

Also egal, wie Sie sich entscheiden: Es ist nicht bekannt, dass das Behalten des Bechers jemals zur Anzeige gebracht wurde. Welch ein Glück! Aber damit sollten Sie sich abfinden, wenn Sie zu den Andenkensammlern gehören: Das Pfand ist auf vielen Weihnachtsmärkten inzwischen höher als der tatsächliche Wert der Tasse.

Erst Ausweis zeigen, dann prost!

Bleibt natürlich die Frage: Wer darf eigentlich Glühwein trinken? Nun: Solange kein hochprozentiger „Schuss“ drin ist, handelt es sich bei Glühwein um ein so genanntes „weinhaltiges Getränk“. Und das darf an alle ausgeschenkt werden,  die mindestens 16 Jahre alt sind. Wer einen „Schuss“ will, muss mindestens 18 Jahre alt sein – und der Budenbetreiber hat sogar die Pflicht, nach dem Personalausweis zu fragen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§ 246 StGB, § 9 JuSchG

Glühweinbecher

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