Teure Fingerspiele: Der Stinkefinger und andere Nettigkeiten

Mittwoch, 01.04.2015 PK

An sich regt sich ja kaum noch jemand über ihn auf – den Stinkefinger. Hätte ihn nicht der griechische Finanzminister Varoufakis in einem Video gezeigt und damit so etwas gemeint wie: „Fuck Germany“. Also checken wir doch mal, was unsere Gerichte zu dieser Geste sagen…

Jeder von uns stand schon einmal wenigstens kurz davor, dem drängelnden Hintermann auf der Autobahn den Stinkefinger zu zeigen. Oder dem Gegner bei der Parkplatzsuche – egal, ob der nun gewonnen hatte oder nicht. Leider riskiert man ein Bußgeld, wenn man seinem Ärger über andere Verkehrsteilnehmer mit dieser unmissverständlichen Geste Luft macht.

Unmittelbare Rache ist süß und straffrei

Denn das kann durchaus als Straftat ausgelegt werden. Bemerkenswert ist aber: Wer selbst beleidigt wurde, darf sich unmittelbar ebenfalls mit einer Beleidigung wehren („selber blöder...!“) – ein Richter kann dann nämlich beide Beteiligten für straffrei erklären (§ 199 StGB).

Maximale Strafe: ein Monatsgehalt

Unabhängig davon werden für Beleidigungen im Straßenverkehr im Regelfall Geldstrafen verhängt. Da es aber keinen einheitlichen Strafenkatalog dafür gibt, richtet sich das Strafmaß nach Tagessätzen (dem monatlichen Nettoeinkommen geteilt durch 30). Meist werden für eine Beleidigung 10 bis 30 Tagessätze verhängt. Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.500 Euro wären damit 1.000 bis 1.500 Euro fällig. 

Am günstigsten ist Zunge rausstrecken

So kann z. B. das „Vogelzeigen" 20 bis 30 Tagessätze kosten, die rausgestreckte Zunge meist 10. Für die Scheibenwischergeste waren schon einmal 350 Euro fällig, und das aus Daumen und Zeigefinger gebildete „A...“ kann durchaus 750 Euro kosten. 

Nicht strafbar hingegen ist der „Doppelvogel“: Dabei wird mit beiden Zeigefingern an beide Schläfen getippt. Das Düsseldorfer Oberlandesgerichts findet das harmlos (OLG Düsseldorf: 5 Ss 383/95-21). 

Teuer, auch wenn’s „keiner“ sieht

Der Stinkefinger ist übrigens auch dann eine Beleidigung, wenn man ihn gegen eine Überwachungskamera richtet. Laut dem Bayerischem Obersten Landesgericht wird nämlich dadurch der diensttuende Beamte, der hinter dem Monitor sitzt, in seiner Ehre verletzt. 40 Tagessätze sind dafür einzukalkulieren.

Kassieren ja, Opferentschädigung nein

Was wir übrigens aber gleich wieder vergessen können: Dass jemand, dem der Stinkefinger gezeigt wurde, ein Schmerzensgeld erhält…sagt zumindest das Landgericht Dresden. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bayerisches Oberstes Landesgericht: 5 St RR30/2000

Landgericht Dresden: 2 S 196/11

Beleidigung § 185 StGB

Wechselseitige Beleidigungen § 199 StGB

Stinkefinger, Auto

Weitere Artikel

Kommentare