Das Monster in der Tiefgarage

Mittwoch, 18.03.2015 PK

Ein seidener Faden, eine fette, eklige Spinne und eine Frau in Panik – das klingt, als wären es die Zutaten für einen Low-Budget-Horrorfilm. Stimmt aber nicht: Mit diesem Mix von Tatbeständen musste sich das Oberlandesgericht Karlsruhe beschäftigen.

Es ist dunkel. Eine Frau geht durch die Tiefgarage auf ihren Wagen zu. Das einzige, was man hört, sind ihre Schritte. Und die ihres Ehemannes, dem in den nächsten Sekunden die Rolle des Helden zukommen wird, ohne dass er davon etwas ahnt. Denn kaum, dass die Frau den Schlüssel ins Türschloss des Autos steckt, wird sie unvermittelt angegriffen: Eine fette, haarige Spinne seilt sich am seidenen Faden ab und stoppt direkt vor ihrem Gesicht. Die Frau verfällt in Panik, schlägt wild um sich und stolpert. Ende der Horror-Szene…

Ein zweifelhafter Held

…wenn es denn ein Film gewesen wäre. War es aber nicht. Denn durch den Aufprall brach sich die Frau ein Handgelenk und prellte sich das Becken sowie das Gesicht. Die Spinne besiegelte darauf ihr Schicksal unter der Schuhsohle des heldenhaft herbeigesprungenen Ehemannes, der es aber leider nicht schaffte, seine Frau rechtzeitig aufzufangen. Aber immerhin: das Monster war besiegt!

Ein Schuldiger musste her

Die Spinne war definitiv tot. Somit war aber auch klar: das Tier war als Schadensstifter nicht mehr haftbar zu machen. Ein anderer musste her – und das war der Hausmeister, dem nun vorgeworfen wurde, er wäre seiner  Reinigungspflicht nicht nachgekommen. Folglich habe er für Schadensersatz nebst Schmerzensgeld aufzukommen: unterm Strich 6000 Euro. Schließlich, so die Begründung der Klägerin, sei der Sturz nicht passiert, wenn der Hauswart die Spinnweben beseitigt hätte – wozu er laut Vertrag einmal pro Monat verpflichtet gewesen war.

Mit Monstern ist immer zu rechnen

Ein wahrlich verwobener Fall für das Oberlandesgericht Karlsruhe! Nach der Entwirrung aller Fäden kamen die Richter allerdings zu diesem Ergebnis: Ob der Hausmeister seine Aufgaben ordnungsgemäß wahrgenommen hatte oder nicht, konnte nicht mehr festgestellt werden. „Jedoch“ - so die Richter - „hätte wohl selbst mit vertragsgemäßer Entfernung der Spinnweben kaum verhindert werden können, dass sich in der Garage Spinnen ansiedeln. Und weil die Beseitigung von Spinnweben in erster Linie ohnehin nicht darauf abzielt, Stürze zu vermeiden, sei das plötzliche Auftauchen eines Spinnenmonsters ein „allgemeines Lebensrisiko“. Wieder etwas dazugelernt…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Karlsruhe: 7 U 58/09

Spinnenmonster

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