Geh ich Klappkaribik, Alder, brauch ich Fußpils, ich schwör!

Freitag, 31.10.2014 PK

Verstanden? Nein? Das ist Jugendsprache und bedeutet: „Wenn ich auf die Sonnenbank gehe, mein Freund, brauche ich ein Bier für unterwegs“. Und wieso ist dafür am Ende ein Eid notwendig? Nun: Diese Formulierung findet sich generell in der Syntax der Kids und heißt hier nichts anderes als: „Ohne Zweifel“. Jetzt verstanden?

Dass Erwachsene mitbekommen, was Teenies so reden, ist alles andere als beabsichtigt. Und das war auch schon immer so: Viele werden sich erinnern, dass ihre Eltern mit dem Begriff „geil“ nichts anfangen konnten. Heutige Eltern gehören krass auf die Gammelfleischparty (Ü-30-Party), oder sollen doch in Fressnarkose fallen (Mittagsschlaf), aber hier nich voll den Niveaulimbo geben (das Gespräch auf ein unerträglich niedriges Level ziehen).

Eingebaute Beleidigung

Bei aller Freude über die kreativen Wortschöpfungen: Jugendsprache steckt voller Beleidigungen. (Oder wollten Sie als Mädchen ständig als „Bitch“ angesprochen werden?) Aber es geht gar nicht darum, sein Gegenüber zu kränken, sondern darum, wer den coolsten Spruch bringt – und das so schlagfertig, wie es eben geht.

Trotzdem können sich Außenstehende schnell auf den Schlips getreten fühlen, wenn sie aufgefordert werden: „Gehst du Änderungsfleischerei (Schönheitsklinik), Alder!“ Da wächst einem schon beim Zuhören glatt ’ne Erpelkutte (Gänsehaut). Aber auch das ist Zweck der Übung.

Gefängnis bis zu einem Jahr

Rituelles Imponiergehabe – wir haben verstanden! Aber wann ist eine Beleidigung (§ 185 StGB) überhaupt strafbar? Wenn die persönliche Ehre verletzt wird. Dann droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe, deren Höhe sich nach dem Einkommen des Täters richtet.

Was man dem Chef besser nicht sagt

So darf z. B. ein Arbeitnehmer seinen Chef nicht als „faulen Sack“ bezeichnen. Das Arbeitsgericht Frankfurt/M. hielt zwar eine fristlose Kündigung für ungerechtfertigt, aber eine fristgerechte für angemessen (7 Ca 9327/07). Andererseits urteilte das Amtsgericht Köln zugunsten eines Angetrunkenen, dem ein „Miststück“ und eine „Schlampe“ herausgerutscht waren (210 C 148/98).

Auf den Dialekt kommt es an

Übrigens begeht, wer einen Beamten beleidigt, dieselbe Straftat wie derjenige, der einen „normalen“ Bürger in dessen Ehre verletzt. Zum Glück wird der „Stinkefinger“ von Richtern nicht mehr als Beleidigung gesehen, wenn er provoziert wurde (AG Pinneberg: 63 C 124/02), und manch Schimpfwort fällt regional als Beleidigung weg, weil es schlicht zum Dialekt gehört. Im Schwäbischen z. B. dürfen Taxifahrer einen Auftrag durchaus mit dem Satz „Leck mich am Arsch!“ ablehnen. Das sei keine strafbare Beleidigung, fand das Amtsgericht Ehingen (2Cs 36 Js 7167/09).

…and the winner is:

Übrigens wird in wenigen Tagen das „Jugendwort 2014“ gewählt. Ihre echte Chance also, nicht nur ein „Senfautomat“ (Klugscheißer, der nur alles kommentiert) zu sein, sondern aktiv beim Initiator Langenscheidt mit zu voten: http://www.jugendwort.de/

In den Alltag eingeschlichen

Womit sich der Kreis schließt: Schließlich ist Jugendsprache auch nur ein Dialekt. Zwei Beschimpfungen immerhin haben es in unsere Alltagssprache geschafft: „Vollpfosten“ und „Hackfresse“. Und weil das jeder als Beleidigung versteht, sollte man damit vorsichtig sein. Flasht sonst echt nich, Alder, ich schwör!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Frankfurt/M. (7 Ca 9327/07), Amtsgericht Köln (210 C 148/98), AG Pinneberg: 63 C 124/02, Amtsgericht Ehingen (2Cs 36 Js 7167/09)

Beleidigung (§ 185 StGB)

Jugendliche im Kreis

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