Costa Cordalis: Warum Anita nicht im Knast sitzt

Mittwoch, 01.10.2014 PK

Die Seele „nackig“ machen. Das muss man wohl in einer Autobiografie – sonst liest sie keiner. Auch der Schlagersänger Costa Cordalis müht sich zur Zeit, damit sein Buch „Der Himmel muss warten“ über seine nackige Seele ordentlich was abwirft. Warum uns das beschäftigt? Wegen Anita. Die war nicht bloß eine Figur in Corsalis’ berühmtesten Schlager, nein, sie gab es wirklich. Und sie war eine Stalkerin.

Und was für ein Biest das gewesen sein muss: Anita war eine Stalkerin, die den armen Costa bis in sein Schlafzimmer verfolgt hatte. Dabei hätte der Mann durchaus zwei Möglichkeiten gehabt, sich zu wehren. Die Einfache: Nicht mehr singen, dann passiert so etwas auch nicht. Die Zweite: Strafanzeige stellen (damals wegen Hausfriedensbruch und Nötigung).

Einer, der sich nicht wehren wollte

Ein Trend, der sich ganz klar abzeichnet: Stalking wird inzwischen von der Justiz zunehmend ernster genommen. Aber was ist das überhaupt? Im deutschen Recht heißt das Delikt "Nachstellung" und wird - je nach Schwere des Falles - mit bis zu zehn Jahren Haft (z.B. bei schweren Gesundheitsschäden des Opfers) bestraft. Verfolgt wird Nachstellung allerdings im Regelfall nur auf Antrag – da hätte sich der Barde schon mal rühren müssen, um für Ruhe zu sorgen.

Wenn es verdammt ernst wird

Eine Bagatelle ist Stalking absolut nicht. Männer, die trotz klarer Absage den Kontakt zu einer Kollegin am Arbeitsplatz suchen, sind ganz schnell ihren Job los, und wer seinem Ex-Partner/in trotz gerichtlich festgelegten Kontaktverbotes via SMS, Anrufen oder persönlichem Erscheinen den letzten Nerv raubt, wandert gar hinter Gitter. Gleich für zwei Jahre muss auch ein 46-Jähriger aus Seelze „gesiebte Luft“ atmen, weil er seiner Traumfrau sogar mit dem Tode drohte und ihr eine lebende Vogelspinne schickte, um sie mit Hilfe ihrer Phobie gefügig zu machen. Das Urteil stützt sich im Übrigen gar nicht auf das Strafgesetzbuch, sondern auf das Gewaltschutzgesetz.

Anita schuldig, Carla nicht

Nun: Anita wäre sicher angesichts solcher Strafen angemessen beeindruckt gewesen, hätte es das Gesetz damals schon gegeben. Gab’s aber leider nicht: Es trat erst 2001 in Kraft. Deswegen ist Anita nach wie vor auf freiem Fuß. Und so wäre dem Schlagerstar wohl nur Möglichkeit „eins“ geblieben: Nicht mehr zu singen. Oder vielleicht lieber den Namen im Song ändern? In Carla beispielsweise – so hieß nämlich die Frau, die ihm seine Unschuld raubte. Übrigens keine Straftat!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht: 2 AZR 258/11, OLG Karlsruhe: 2 Ws 142/08, Oberlandesgericht Hamm: II- 1 WF 47/13

§ 238 StGB

Schlüsselloch mit Auge

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