Selbsttötung: Menschenwürde nur bei Umzug

Mittwoch, 05.11.2014 PK

Glück bedeutet, dankbar fürs Leben zu sein. Das ist die letzte Botschaft einer tapferen jungen Frau, die eigentlich leben wollte. Aber nicht konnte, weil ein aggressiver Hirntumor ihr Leben zerstörte. Am 1. November nahm die Amerikanerin Brittany Maynard († 29) ein tödliches Gift.

Brittany Maynard hinterlässt nicht nur ihre Familie in unermesslicher Trauer – die ganze Welt ist vom Schicksal der hübschen Frau betroffen. Weil die ganze Welt ihre letzten Botschaften, ihr letztes Lächeln auf Facebook mitverfolgte.

Umzug, um zu sterben

Sie war extra von Kalifornien in den US-Staat Oregon gezogen, weil dort die Sterbehilfe erlaubt ist. In Europa ist sie weitgehend verboten. Ausnahmen sind Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich und die Schweiz.

Auch in Deutschland ist die aktive Sterbehilfe strafbar. Soweit der Wunsch des getöteten Menschen nicht nachweisbar ist, wird die Tat als Totschlag (§212 StGB, ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug) eingestuft. Nur wenn der Täter nachweisbar durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Opfers motiviert war, nimmt man strafmildernd eine Tötung auf Verlangen an. Aber selbst dann wird von einer empfindlichen Strafe nicht abgesehen (§216 StGB, sechs Monate bis fünf Jahre Haft).

Kein Beistand in der letzten Stunde

Die Beihilfe zur Selbsttötung allerdings ist straffrei, wenn der Sterbewillige seinen Tod selbst herbeiführt. So darf z.B. die Giftspritze aufgezogen, aber nicht verabreicht werden.

Doch auch das ist bloße Theorie: Denn die anwesenden Helfer können durchaus wegen unterlassener Hilfeleistung (§323c StGB, bis zu einem Jahr Freiheitsentzug) verurteilt werden. Sie sind nämlich zu Wiederbelebungsversuchen verpflichtet. Das bedeutet zynischerweise und im Umkehrschluss nichts Anderes, als dass man den Sterbewilligen allein lassen muss, wenn er das Gift zu sich nimmt.

Wer hilft, gibt selbst ein Stück Leben her

Unheil für die Helfer droht aber noch von anderer Seite: Angehörigen und Ärzten droht sogar eine Bestrafung wegen Totschlags. Überdies verbietet Ärzten ihr Standesrecht, Beihilfe zum Selbstmord zu leisten. Dazu kommt noch unser stringentes Betäubungsmittelgesetz. Das besagt eindeutig, dass die unerlaubte Herstellung, Ein- und Ausfuhr oder in Verkehrbringung von Betäubungsmitteln mit Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet wird (§29 BtMG).

Betroffenen bleibt also derzeit keine andere Möglichkeit, als fern der Heimat zu sterben. So wie Brittany Maynard.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§212 StGB, §216 StGB, §323c StGB, §29 BtMG

Grab Frauenstatue

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