Schäden in der Waschanlage – endlich haben Kunden Rechte

Montag, 29.06.2015 PK

Das verwundert zwar, aber bisher konnten sich die Betreiber einer Autowaschanlage immer herausreden, wenn zwei Autos durch das automatische Förderband ineinander geschoben wurden. Damit ist seit kurzem Schluss. Doch um auf der sicheren Seite zu sein, müssen Autofahrer aber immer noch ein paar Tipps beachten…

Eine Autofahrerin fuhr ihren Wagen arglos in eine automatische Waschanlage, in der die Fahrzeuge durch eine Förderanlage nacheinander hindurch gezogen werden. Plötzlich verhakte sich das Auto vor ihr und blieb stehen, während ihr eigener Wagen unablässig weiter gezogen wurde. Doch nichts half: Die Frau hupte zwar wie wild, um das Personal auf die Notlage aufmerksam zu machen, aber niemand reagierte. Der Crash und teure Blechschäden an beiden Autos waren deshalb nicht zu vermeiden.

Warum die Versicherung nicht zahlt

Kunden gehen natürlich davon aus, dass der Waschanlagenbetreiber gegen solche Schadensfälle versichert ist. Stimmt, ist er eigentlich auch. Nur zahlen die Versicherungen nicht! Denn die vertraten bis jetzt die Meinung, dass Lichtschranken oder Sensoren, die solche Unfälle verhindern könnten, zu teuer seien. Auch zusätzliches Personal seien ein unzumutbarer Kostenfaktor.

Sicherheit fehlt, nur weil sie teuer ist

Doch mit diesen fadenscheinigen Ausreden hat kürzlich das Landgericht Paderborn aufgeräumt. Denn laut der Richter sind für die Sicherheit in der Waschanlage deren Betreiber zuständig. Und die müssen von nun an dafür sorgen, dass in einer Gefahrensituation das Laufband sofort abgeschaltet wird. Wenn sich diese Verpflichtung nicht mit technischen Lösungen erfüllen lässt, muss zumindest genügend Personal vorhanden sein, um die Anlage zu überwachen.

Beweise für Schäden sofort sichern

Künftig muss also die Betriebshaftpflicht-Versicherung des Anlagenbetreibers Schäden ersetzen. Das Urteil ist rechtskräftig. Allerdings sollten Autofahrer dennoch nach jedem Waschgang den Wagen kontrollieren und eventuelle Schäden sofort dem Betreiber melden. Auch sollten sie noch vor Ort die Schäden mit dem Handy fotografieren, um Beweise zu sichern. Wer das erst später erledigt, weil er es eilig hatte, bleibt womöglich auch in Zukunft auf seinem Schaden sitzen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Paderborn: 5 S 65/14

Autowaschanlage

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