Wie viel Prostitution benötigt eine Stadt mit über 50.000 Einwohnern?

Dienstag, 08.09.2015 BJ

Mit dieser Frage hatte sich tatsächlich der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg infolge eines gerichtlichen Eilantrags von vier Prostituierten aus Friedrichshafen zu befassen…

Denn obwohl sich die vier „Bordsteinschwalben“ eigentlich gar nicht am Straßenrand, sondern in extra dafür angemietete Wohnungen anboten, durften sie ihrer beruflichen Tätigkeit im Stadtgebiet von Friedrichshafen nicht mehr nachgehen.  Auslöser war eine Sperrgebietsverordnung des Regierungspräsidiums Tübingen, welche die Prostitution gebietsweise untersagte.

Prostitution nur in „Toleranzbereichen“

Problematisch war, dass die vier Frauen ausgerechnet in einem zehnstöckigen Gebäude mitten im Stadtzentrum wohnen und arbeiten. Im Industriegebiet wäre die Prostitution innerhalb eines Toleranzbereichs erlaubt gewesen. Dort standen aber offenbar keinerlei Möglichkeiten zur Verfügung, Flächen für diesen Zweck zu erwerben oder zu mieten.

Prostitution darf in größeren Städten nicht untersagt werden

Und das Gericht gab den Frauen tatsächlich Recht! Denn „ab einer gewissen Stadtgröße müsse man davon ausgehen, dass Prostitution nicht mehr vermeidbar sei.“ Und um ein unerwünschtes Abgleiten in die Illegalität zu verhindern, müsse man solche „Tatsachen“ einfach akzeptieren. Aufgrund der vorläufigen Entscheidung dürfen die Frauen ihrer Arbeit mitten in der Stadt also bis auf weiteres nachgehen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg Beschl. 06.06.2014 Az. 1 S 440/14

§§ 80 ff. VwGO

Balkon eines Bordells mit Schaufensterpuppe

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