Hobelspäne ersetzen kein Streusalz!

Dienstag, 05.01.2016 DOD

Schneeschippen und Streuen bei Glatteis ist lästig. Vor allem, wenn der Winter lange dauert und Streusalz irgendwann teuer und wegen der großen Nachfrage kaum noch zu bekommen ist. Eine Mieterin dachte wohl, sie hätte deswegen eine besonders gute und billige Idee: Sie griff im Kampf gegen Eis auf dem Bürgersteig zu Hobelspänen – ein folgenreicher Fehler…

Draußen war es  kalt und der Weg war eisglatt. Die Mieterin bestreute deshalb den Gehweg mit Sägespänen. Keine gute Idee, wie sich herausstellte, denn eine 55-jährige Frau, die den eisigen Weg entlanglief, rutsche darauf aus und brach sich den Oberarm.

Hobelspäne werden zu Eisflocken

Die Frau, die zu Fall gekommen war, verklagte darauf die Mieterin auf Schadensersatz. Doch die wehrte sich, schließlich habe sie ja gestreut. Doch das Gericht stellte darauf fest: Sägespäne sind kein Streumaterial bei Eisglätte! Ganz im Gegenteil sogar - die Hobelspäne saugen sich mit Feuchtigkeit voll, gefrieren und werden so zu einer Art rutschiger Eisflocken.

Auch Unfallopfer trägt Mitschuld

Trotzdem entschied das Oberlandesgericht Hamm: Beide Parteien sind gleich Schuld an dem folgenschweren Sturz. Denn die Mieterin hätte sich zwar besser nach geeignetem Streumaterial erkunden müssen, die gestürzte Frau hätte allerdings auch den gefährlichen Bürgersteig verlassen und auf die von der Gemeinde mit Salz gestreute Straße wechseln können. 

Wer schippt, ist auf der sicheren Seite

Grundsätzlich gilt: Eigentümer und Mieter haben die Pflicht, die öffentlichen Wege rund um die Gebäude bei Eis und Schnee zu sichern. Durch Schneeschippen und Streuen muss sichergestellt werden, dass niemand vor dem Haus ausrutscht und sich verletzt. Wem das zu lästig ist, der kann Firmen wie etwa Hausmeisterdienste oder andere damit beauftragten. Das kostet zwar Geld, sichert aber das eigene morgendliche Ausschlafen, denn das Schippen und Streuen übernehmen dann andere. Salz ist übrigens in vielen Städten und Gemeinden aus Gründen des Umweltschutzes verboten. Stattdessen sollte Granulat, also Streusplitt, verwendet werden - und den gibt's bei den meisten Städten sogar umsonst…    

 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 24. November 2014, Aktenzeichen: 6 U 92/12

Box mit Sand

Weitere Artikel

Kommentare