Chef als irren Psychopathen beschimpft – Kündigung ist ungerechtfertigt

Dienstag, 22.09.2015 BJ

Weil ein Mann seinen Chef als Psychopathen beschimpfte, erhielt er umgehend die fristlose Kündigung. Doch das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz war da anderer Meinung und erklärte die Kündigung wieder für unwirksam…

Mit Äußerungen wie: “Der gehört eingesperrt“, „A…loch“ oder „Der ist doch irre“, soll der Angestellte einer Chemiefirma über seinen Chef hergezogen haben. Diese groben Beschimpfungen warf er ihm aber nicht direkt ins Gesicht. Stattdessen ließ er seiner Wut im Kollegenkreis während einer Pause freien Lauf. 

Streit ums Gehalt

Anlass für den Ausraster war ein Personalgespräch einige Tage zuvor, bei dem der Chef den Mann aus dem Zimmer geworfen hatte, nachdem über eine neue Gehaltsstufe verhandelt worden war und das Gespräch dabei komplett eskalierte.

Von den Kollegen verpetzt

Nachdem der Mitarbeiter darauf seinen Zorn bei seinen Kollegen abgelassen hatte, wurde er umgehend von ihnen verpetzt. Dies hatte dann die fristlose Kündigung zur Folge, gegen die sich der Mann allerdings mit einer Kündigungsschutzklage wehrte. 

Gericht zeigt Verständnis

Vor Gericht erklärte er dann auch, dass er sich noch nie so gedemütigt gefühlt habe wie nach dem Personalgespräch. Und er hatte damit tatsächlich Erfolg: das Gericht erklärte sowohl die fristlose, als auch die hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung als unwirksam! Denn nach Meinung der Richter hätte es vorerst genügt, wenn der Arbeitgeber seinen Angestellten abgemahnt hätte, da die Beleidigungen nur inoffiziell im „Pausenzimmer“ stattgefunden hatten. Der Mann darf also in der Firma bleiben. Ob man ihm allerdings bei solchen Kollegen und Chef dazu gratulieren soll, bleibt dahingestellt…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz Urt. v. 24.07.2014 Az. 5 Sa 55/14

Wütender Mann

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