Für Eichhörnchen gebremst – Autos Schrott

Dienstag, 03.03.2015 PK

Ein Bremsmanöver mit Folgen:  Zwar kam das Eichhörnchen, das wohl etwas unaufmerksam die Straße überquerte, mit heiler Haut davon. Dafür aber fuhr ein nachfolgendes Fahrzeug auf den Wagen des reaktionsschnellen Lebensretters auf. Und jetzt ging es darum, wer den Schaden zu bezahlen hat…

Generell gilt die Regel: Wer auffährt, hat Schuld, weil er entweder zu unaufmerksam war oder weil er den erforderlichen Sicherheitsabstand nicht eingehalten hat. Diese Regel gilt nur dann nicht, wenn zweifelsfrei geklärt werden kann, dass der Vorausfahrende grundlos und überraschend gebremst hat. Stellt sich also die Frage, ob ein Eichhörnchen Grund genug ist, eine Vollbremsung hinzulegen.

Pech, wenn es keine Zeugen gibt

In diesem Fall ohne weitere Zeugen standen sich zwei unterschiedliche Aussagen entgegen. Der Auffahrende behauptete, der Vordermann habe bereits abrupt gebremst, als das Eichhörnchen noch am Straßenrand saß. Der Vordermann dagegen will bereits einige Meter vorher mehrmals moderat gebremst haben, um den Hintermann aufmerksam zu machen. Das Amtsgericht München hatte also diese Frage jetzt zu klären und kam zu einem eindeutigen Urteil:

Unfallvermeidung steht an erster Stelle

Wer für Kleintiere bremst, bekommt eine Mitschuld, entschieden die Richter. Der Vordermann muss also 25 Prozent des Schadens zahlen, der Hintermann 75 Prozent. Begründung: Ohne das Bremsen zu Gunsten des Eichhörnchens hätte sich der Unfall gar nicht erst ereignet – sprich: Er wäre vermeidbar gewesen. 

Kleintiere zählen leider nicht

Wer ein Herz für Tiere hat, muss also mit den teuren Folgen leben. Aber darf man denn als Autofahrer wenigstens für Katzen abbremsen? Leider nein! Grundsätzlich geht die Rechtsprechung nämlich davon aus, dass für verhältnismäßig kleine Tiere kein Grund zum Abbremsen besteht. So entschieden einige Gerichte sogar ganz konkret, für welche Tiere sie keinen zwingenden Grund für eine Vollbremsung sehen: Hauskatze (AG Schorndorf, anders das LG Paderborn), Taube (AG Solingen und OLG Köln), Wildente (OLG Karlsruhe). Traurig, aber wahr.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

AG München: 331 C 16026/13, AG Schorndorf: 2 C 811/92, LG Paderborn: 5 S 181/00, AG Solingen: 10 C 49/03, OLG Köln: 11 U 63/93, OLG Karlsruhe: 1 U 288/86

§ 4 Abs. 1 Satz 2 StVO

Totes Kätzchen am Straßenrand

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