Behindertes Nachbarskind ist kein Mangel

Dienstag, 27.10.2015 DOD

Ein Ehepaar ärgerte sich und sah den behinderten Nachbarsjungen als „Mangel“ an. Deshalb forderten sie 10 Prozent des Kaufpreises ihrer Wohnung zurück, da der Verkäufer sie ihrer Meinung nach hätte darauf hinweisen müssen, dass nebenan ein behindertes Kind wohnt…

Kaum war das Ehepaar in die neu gekaufte Wohnung eingezogen, ging der Ärger los: Statt ungestörter Ruhe kam Geschrei und Gekreische aus dem Nachbargarten. Denn der neunjährige Sohn der Nachbarn leidet an Autismus, einer geistigen Behinderung. Das Ehepaar wollte daraufhin den Kaufpreis mindern und zog deswegen vor Gericht.  

Lärm durch Behinderte muss toleriert werden

Doch die Richter hatten dazu eine ganz klare Meinung: Erstens sei ein Verkäufer keineswegs dazu verpflichtet, auf Nachbarn hinzuweisen. Zweitens, und das war das Ausschlaggebende, dürften Kinder schon rein gesetzlich Krach machen, behindert oder nicht. Zudem sei ein behindertes Kind in der Nachbarschaft selbstverständlich in Kauf zu nehmen - ein „Mangel“ seien Behinderte in der Nachbarschaft auf keinen Fall! Und daher natürlich auch kein Grund dafür, den Kaufpreis zu mindern…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Münster, Urteil vom 26. Februar 2009, Aktenzeichen: 8 O 378/08

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