Arbeitnehmer sind bei ihrer Ermordung vor der Haustür versichert…

Mittwoch, 23.12.2015 DOD

Der Bauleiter öffnet die Tür, will morgens zur Arbeit fahren. Auf dem kurzen Weg von der Haustür zu seinem Auto fallen Schüsse. Tödlich getroffen sinkt der Mann zu Boden. Doch die gesetzliche Unfallversicherung weigert sich zu zahlen - schließlich sei Mord ja reine Privatsache…

Das Motiv für den Mord blieb nach der Tat im Dunkeln. Anlass genug für die Versicherung, den Hinterbliebenen nichts zu zahlen. Denn ihrer Meinung nach könnten diese nur mit einer finanziellen Unterstützung rechnen, wenn das tödliche Ereignis etwas mit dem Arbeitsweg zu tun hatte. Aber der Zusammenhang zwischen den tödlichen Schüssen und der Arbeit müsste dann auch explizit nachgewiesen werden! Ansonsten wäre der Mord - rein versicherungsrechtlich betrachtet - Privatsache.

Richter verdonnern Versicherung zur Zahlung

Doch das Landessozialgericht in Sachsen sah den Fall anders: Natürlich sei Mord vor der Arbeit ein „Wegeunfall“. Die Versicherung muss zahlen, egal ob der Mörder ein betriebsbedingtes Tatmotiv hatte oder nicht. Denn der Versicherte befand sich auf dem Weg zur Arbeit – bei der er zugegebenermaßen nie ankam. Trotzdem sei der Weg zur Arbeit Teil der Arbeit und beginne von dem Moment an, an dem man das Zuhause verlasse, um an den Arbeitsplatz zu gelangen. Das Motiv für den Mord sei dabei nebensächlich…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landessozialgericht Sachsen, Urteil vom 22. Juni 2006,  L 2 U 146/03

Sarg mit Leichenwagen

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