Lenßens Tipp: Muss ich jetzt noch Urlaub nehmen oder kann ich ihn bis 2016 verschieben?

Mittwoch, 21.10.2015 Ingo Lenßen

„Ich hatte dieses Jahr einfach nicht genug Geld, um zu verreisen. Deshalb habe ich meinen Urlaub auch nicht genommen. Den will ich lieber im nächsten Jahr mit dem neuen Urlaub zusammenlegen. Aber jetzt hörte ich von Kollegen, dass der Urlaub womöglich verfällt. Wie ist denn da die Rechtslage?“

Das sogenannte „Bundesurlaubsgesetz“ lässt da eigentlich keine Zweifel aufkommen. Darin steht nämlich, dass Urlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen ist, die Übertragung aufs folgende Jahr stellt eine Ausnahme dar. Das heißt für Sie nichts anderes als: Wenn Sie noch Urlaub aus 2015 übrig haben, können Sie sich nicht darauf verlassen, dass Sie ihn 2016 auch tatsächlich noch bekommen! 

Wer den Urlaub also retten will, muss sich beeilen

Denn das Gesetz sieht eine Übertragung von Resturlaub nur bei „dringenden betrieblichen Gründen“ und bei „in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen“ vor. Das heißt im Klartext: Nur wenn man keinen Urlaub nehmen konnte, weil im Betrieb z.B. zu viel zu tun war oder man kurzfristig krank wurde, kann man unter Umständen den Urlaub ins nächste Jahr mit hinüberretten. Allein Geldmangel, wie hier in Ihrem Fall, ist rein rechtlich kein Grund, den Urlaub aufs Jahr 2016 zu übertragen. Aber natürlich kann Ihnen Ihr Chef in diesem Punkt durchaus entgegenkommen. Sie sollten das allerdings sofort besprechen bzw. Ihren Urlaub jetzt noch beantragen, um ihn nicht am 31. Dezember vollständig einzubüßen.

Aber dann ist Ihr Urlaub immer noch nicht sicher

Stimmt Ihr Chef tatsächlich einer Übertragung zu, müssen Sie den Urlaub im ersten Quartal 2016 nehmen. Er verfällt nämlich endgültig am 31. März – was im Klartext bedeutet: Sie müssen ihn bis dahin nicht nur angemeldet, sondern auch „verbraucht“ haben.

Wann Geld statt Urlaub angesagt ist

Übrigens geht der Urlaub durch längere Krankheit nicht verloren. Denn bleibt der Mitarbeiter dem Betrieb aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft fern, muss der Arbeitgeber den Urlaub sogar in Geld auszahlen – rückwirkend allerdings für höchstens 15 Monate. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

EuGH: C 350/06

BAG: 9 AZR 352/10

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