Und wenn sie noch so cool sind – Euren Lehrern solltet Ihr nichts schenken

Mittwoch, 25.02.2015 PK

Jedenfalls nichts, was teurer ist als 10 Euro. Denn wenn ein Lehrer das annehmen würde, bekäme er eine hohe Strafe aufgebrummt…

So erging es einer Lehrerin in Berlin. Die Schüler der Abschlussklasse hatten gesammelt, um ihr eine kleine Skulptur zu schenken: Die beiden Männer in der Badewanne, „Herr Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner“, von Loriot. Eine witzige Idee zum Preis von 198 Euro. Jeder der 30 Schüler hatte also im Durchschnitt 6,60 Euro gespendet.

Ein Denunziant aus den eigenen Reihen

Doch 33 Cent pro Schüler wären in diesem Fall maximal erlaubt gewesen, um das gesetzlich festgelegte Limit von 10 Euro einzuhalten, das Lehrer maximal annehmen dürfen. Was folgte, hatte die beliebte Pädagogin dem Vater eines der Schüler zu verdanken, der ebenfalls Lehrer ist und seinen Beamtenstatus wohl eine Spur zu wichtig nahm.

Nicht einmal ein Blumenstrauß darf es sein

Denn der Mann erstattete Anzeige, und die beschenkte Lehrerin bekam es daraufhin mit der Staatsanwaltschaft zu tun. Vorwurf: Vorteilsnahme im Amt. Um das Verfahren gegen sich abzuwenden, zahlte die Lehrerin 4000 Euro an die Staatskasse. Wahrlich: Freude über das Geschenk mochte da nicht mehr aufkommen. Dabei ist die Regelung natürlich absurd. Erstens, weil von Vorteilsnahme keine Rede sein kann. Die Schüler sehen ja ihre Lehrerin zumindest im Unterricht nie wieder. Auf eine Benotung kann also das Geschenk gar keinen Einfluss mehr haben. Und zweitens: Für die erlaubten 10 Euro bekommt man noch nicht einmal einen anständigen Blumenstrauß.

Hilfsaktion – nett gemeint, aber gefährlich

Inzwischen hat ein Münchener Webdesigner eine Sammelaktion gestartet, um der betroffenen Lehrerin die Strafsumme zurückzugeben. Ein gefährliches Unterfangen – denn sollte sie das Geld annehmen, würde sie sich erst recht strafbar machen.

Am Ende bleibt... nichts!

Und was ist nun aus Herrn Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner geworden? Pflichtgemäß wurde die Skulptur von der Staatsanwaltschaft eingezogen und in der Asservatenkammer deponiert. Und jetzt haltet Euch fest: Im Zuge einer Aufräumaktion ist das drollige Geschenk mittlerweile öffentlich versteigert worden. Zum Preis von gerade mal 11 Euro.

Wir gratulieren dem Denunzianten für seine Bemühungen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Die beteiligten Schüler werden ganz sicher die richtigen Lehren daraus ziehen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Vorteilsnahme § 331 StGB

Quietsche-Ente

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Vorteilsnahme im Amt: Lehrerin zahlt 4000 € Strafe
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25.02.2015 07:00
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