Rechtsprechung im Mittelalter: Gottesurteile

Montag, 15.12.2014 MP

Ohne Staatsanwaltschaft und Polizei gestaltete sich die Entscheidung über Schuld oder Unschuld im Mittelalter zum Teil etwas willkürlich. Neben dem einfachen Losentscheid waren Gottesurteile ein beliebtes Hilfsmittel, um herauszufinden, ob ein Angeklagter die Wahrheit sprach.

Die Wasserprobe

Ein der Hexerei Beschuldigter wurde gefesselt und ins Wasser geworfen. Kam er wieder hoch, galt er als schuldig, weil er vom Wasser abgestoßen wurde. Kam er nicht hoch, mag das zwar ein Anzeichen für seine Unschuld sein, die Rettung kam aber zuweilen trotzdem zu spät. Man könnte das auch "vom Regen in die Traufe" nennen.

Die Kesselprobe

Der Beschuldigte musste hierbei einen Gegenstand aus einem Kessel mit kochendem Wasser fischen. Der Arm wurde danach verbunden. Wenn die Wunden einige Tage später beim Entfernen des Verbands nicht eiterten, war die Unschuld bewiesen. Da kann man nur auf einen guten Arzt hoffen.

Die Feuerprobe

Der Beschuldigte musste etwa über glühendes Eisen gehen oder die Hand in ein Feuer halten. Blieb er dabei unversehrt bzw. verheilten seine Wunden binnen kurzer Zeit, war er unschuldig – nicht gerade "im Zweifel für den Angeklagten".

Das Bahrgericht

Der mutmaßliche Mörder wurde an die aufgebahrte Leiche geführt. Er wurde dann schuldig gesprochen, wenn die Wunden des Toten wieder zu bluten begannen. Da hatte der Delinquent wohl schon etwas bessere Karten.

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15.12.2014 18:00
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