110 – kein Anschluss unter dieser Nummer!

Samstag, 31.10.2015 PK

Stellen Sie sich vor, Sie rufen verzweifelt die Notrufnummer der Polizei „110“ an - und niemand geht ans Telefon…

Gruselig, oder? Aber leider keine Fiktion, sondern echt. Allein in Nordrhein-Westfalen gehen rund sechs Prozent aller 110-Notrufe verloren! Das ergab kürzlich eine landesweite Untersuchung, die NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bei den Polizeibehörden vornehmen ließ.

Erschreckende Zahlen

Von Zeit zu Zeit kommt es sogar zu noch höheren Zahlen von unbeantworteten Notrufen. Vor allem in Köln: Über 150.000 – das ist jeder zehnte Anruf – wurden im Zeitraum Januar 2012 bis Juni 2015 nicht entgegengenommen. Etwas besser, aber damit noch lange nicht beruhigend, sind die Zahlen in Düsseldorf: Im Durchschnitt erreichen dort vier Prozent der Anrufer keinen Mitarbeiter der Polizei.

Die Folge rigoroser Sparpolitik

Die Gründe für diese erschreckende Statistik  liegen zum einen an technischen Störungen, zum anderen aber auch an der hohen Belastung der einzelnen Sachbearbeiter – also schlicht an der Tatsache, dass gerade alle Leitungen belegt sind. Schlussfolgerung: Die technische Ausstattung der Notrufzentralen ist alles andere als zeitgemäß – und zu wenig Polizisten gibt es obendrein.

Einsatz im Schneckentempo

Doch Nordrhein-Westfalen steht mit dieser prekären Lage nicht allein da. In Brandenburg beispielsweise sind allein im Jahr 2012 rund 60.000(!) Notrufe ins Leere gelaufen. Und auch das Warten auf das Eintreffen der Polizei dauert immer länger - das musste das Innenministerium auf eine Anfrage aus dem Brandenburgischen Landtag einräumen. Dabei müssten sich gerade Menschen in Notsituationen darauf verlassen können, dass die Polizei erreichbar ist und schnell kommt. Die Brandenburgische Polizei  braucht aber inzwischen fast 27 Minuten. 

Wenn keiner den Job mehr machen will

Dem einzelnen Beamten ist daraus allerdings kein Vorwurf zu machen. Der ist nicht faul oder träge, sondern seinerseits selbst Opfer einer rigorosen Sparpolitik, Stelleneinsparungen und immer schlechteren Berufsperspektiven. Das muss sich dringend ändern. Denn eine Polizei kann uns nur dann wirksam schützen, wenn das „Polizei-sein“ ein Job ist, von dem man auch leben kann. Das aber können viele nicht mehr: Im teuren München zum Beispiel muss sich jeder vierte Polizist mit einem Nebenjob Geld dazuverdienen, damit er seine Familie durchbringt. Wenn das so weitergeht, haben wir bald gar keine Polizei mehr, weil keiner mehr diesen immer undankbareren Job machen will...

Polizeitelephon

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Notrufnummer 110: Einsparungen bei der Polizei
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31.10.2015 16:24
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