Die neue Welle sexueller Gewalt

Donnerstag, 07.01.2016 PK

Die Horror-Silvesternacht 2015: In Köln, Hamburg und Stuttgart werden Frauen aus einer Horde unzähliger Männer heraus umzingelt, sexuell genötigt, vergewaltigt und beraubt. Fast 120 Strafanzeigen hat es gegeben. Die Polizei hat sie notiert. Vorschriftsmäßig, aber hilflos. Passiert ist seither nichts…

Wirklich nichts? Doch: Politiker fordern bzw. versprechen jetzt, dass die Täter ermittelt, angeklagt und bestraft werden – ohne Ansehen der Person. Wer das für ein neues Konzept hält, hört sich anscheinend selbst gern reden. Denn in einem Rechtsstaat ist genau diese Vorgehen eine Selbstverständlichkeit. Und was heißt eigentlich „ohne Ansehen der Person“? Soll dieser Zusatz etwa andeuten, dass gegenüber Tätern - wie in diesem Fall „mit nordafrikanischem Aussehen“ - sonst besondere Milde walten gelassen wird, weil sie mit hiesigen Gepflogenheiten noch nicht so ganz vertraut sind? Eine absurde Vorstellung.

Gut gemeint, aber absurd

Noch absurder allerdings ist, was Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker jungen Frauen mit auf den Weg gibt: Sie sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Abstand halten. Ausgerechnet Frau Reker müsste wissen, dass man damit keinen Übergriff verhindern kann: Sie selbst wurde kurz vor ihrer Wahl Opfer einer überraschenden Messerattacke. Dem Täter war es gelungen, in den armlangen Sicherheitsabstand einzudringen – womöglich deshalb, weil er den längeren Arm hatte. Ungeachtet dessen plant Frau Reker angesichts der bevorstehenden Karnevalszeit weitere Verhaltenstipps für Opfer und alle, die es noch werden könnten. Gemeinsam mit der Polizei will sie diese sogar online stellen. Das mag ihr selbst zwar „hip“ vorkommen, ist in Wahrheit aber eine Unverschämtheit. Denn nicht Frauen müssen aufgefordert werden, ihr Verhalten zu überdenken, sondern Täter müssen von ihren Taten abgehalten werden.

Warum Überwachung allein nicht hilft

Und das gelingt ganz sicher nicht mit der dritten Konsequenz aus den schrecklichen Vorfällen der Silvesternacht: Kamera-Überwachung. Wie man aus zahlreichen Videos bei Youtube unschwer erkennen kann, hält keine Kamera einen Straftäter von seinem Vorhaben ab. Eine Kamera kann bestenfalls den Moment vor der Tat und die Tat selbst dokumentieren. Und selbst dann ist fraglich, ob die Aufnahme klar genug ist, den Täter zu identifizieren.

Ein bitterer Beigeschmack

Abgesehen davon, dass die angekündigten Maßnahmen ein Zeugnis vollkommener Hilflosigkeit sind, richtet sich die Argumentation wieder einmal gegen die Opfer: Wird ihnen mit  Verhaltensregeln nicht automatisch auch eine Mitschuld unterstellt? Zu aufreizend angezogen, zu provozierend geguckt? Muss das ein Mann nicht geradezu als Aufforderung verstehen? Ähnliche Diskussionen gab es schon früher im Zusammenhang mit Vergewaltigungen. 

Eine Hoffnung bleibt

Advopedia bezieht hier einmal ganz klar Stellung: Nein, sexuelle Übergriffe und Gewaltexzesse wie in der Silvesternacht sind keine Missverständnisse, zu dem die Opfer in irgendeiner Weise beigetragen haben. Wir hoffen, dass die Polizei die Täter dingfest machen kann, und dass die Handyaufnahmen einiger Zeugen zu deren Identifizierung führen werden. Die Aussichten auf Erfolg sind bedauerlicherweise aber nicht allzu gut.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

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07.01.2016 18:58
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