Opa kommt in den Garten – Hauptsache, es ist windstill

Mittwoch, 26.11.2014 PK

Ein verspäteter Aprilscherz? Ganz und gar nicht: In Bremen darf man ab dem kommenden Jahr die Asche von Toten im eigenen Garten verstreuen. Sofern sie nicht zum Nachbarn hinüber weht...

Jedes Bundesland hat seine eigenen Regeln für Bestattungen. Bei allen gleich aber ist: Verstorbene gehören auf den Friedhof. Doch jetzt bricht das Bundesland Bremen mit dieser „bodenständigen“ Vorschrift. Ab 2015 soll es erlaubt sein, Tote im eigenen Garten beizusetzen. Allerdings nicht im Stück, sondern in Form von Asche. Die darf dann an einem windstillen Tag verstreut werden.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Kritiker und die Kirche sehen in dieser krassen Veränderung natürlich einen Bruch mit einer Jahrhunderte alten Bestattungs-Kultur. Pragmatiker bemängeln, dass man dann das Grundstück eigentlich nicht mehr verkaufen kann – nicht, dass die Asche den Käufer stören könnte, nein: Beim Verkauf geht gleichzeitig der Orts des Trauerns verloren. Kaum vorstellbar jedenfalls, dass der neue Besitzer es zulässt, dass die treue Witwe einmal pro Woche mit einem Blumengesteck anrückt…

Nicht nur Geiz ist peinlich

Worüber niemand spricht, sind die viel geringeren Bestattungskosten. Klar, Geiz ist ja auch peinlich, wenn man Opa ins Tulpenbeet krümelt, nur um zu sparen.

Der wahre Wert eines Menschen?

Wie auch immer – macht schon irgendwie Gänsehaut, das neue Bremer Grusel-Gesetz. Dabei ist das in Wahrheit noch harmlos. Denn in der Schweiz entwickelt sich gerade die Geschäftsidee, tote Menschen zu Rohdiamanten zu verarbeiten. Wer sich für die technischen Einzelheiten interessiert: Aus 500 Gramm Asche (das entspricht einem 80-Kilo-Menschen) wird ein weiß-bläulicher Einkaräter. Den gibt’s natürlich nicht umsonst, sondern die Hinterbliebenen müssen Opa für einige Tausend Franken zurückkaufen. 

Ob es Opa dann noch stört?

Durchaus vorstellbar, dass einige Erben sich dann wohl posthum um Opa mehr bemühen würden als zu dessen Lebzeiten. Vor allem, wenn er geschliffen, funkelnd und in Gold gefasst am Finger getragen werden kann…Schrecklicher Gedanke – dann schon lieber in den Garten!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§§ 19, 20, 20a Bremer Gesetz über das Leichenwesen, Störung der Totenruhe § 168 StGB

Blumengarten

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