„Puffauto“ als Firmenwagen 

Freitag, 18.12.2015 DOD

Schwarze Kaffeebohnen, aus denen nackte Frauenbeine herausragen – und das auf einem Firmenwagen. Das war dem 49-jährigen Angestellten eines Kaffeevertriebs zu sexistisch. Er weigerte sich deswegen, mit dem aufsehenerregenden Auto zu fahren. Und kassierte prompt die Kündigung…

Geschäftswagen können schon eine Zumutung sein. Und mit einem Auto herumfahren zu müssen, auf dem neben der Aufschrift „Verführerisch lecker“ in großen Buchstaben aufreizend nackte Frauenbeine mit roten Pumps zu sehen sind, ist tatsächlich nicht jedermanns Sache.

Nur einer musste damit rumfahren

Da sah dann auch der 49-jährige Angestellte, der für die Firma im Außendienst tätig war, rot. Er konnte über die Werbeaktion nicht lachen. Ganz im Gegenteil: Der homosexuelle Mann fühlte sich diskriminiert und der Lächerlichkeit preisgegeben - und das seiner Meinung nach mit purer Absicht seines Chefs. Denn keiner außer ihm musste mit so einer Werbung herumfahren. Der Mann weigerte sich deshalb mit dem „Puffauto“, wie er es nannte, zu fahren. Daraufhin wurde ihm, trotz der jahrelangen und guten Zusammenarbeit, fristlos gekündigt.

Nackte Frauenbeine gehen als Werbung in Ordnung

Der Mann ging darauf vor das Arbeitsgericht. Doch auch die Richter konnten keine Diskriminierung erkennen: Der Aufdruck sei eine reine Werbemaßnahme und weitgehend Geschmacksache. Außerdem habe ein Arbeitgeber grundsätzlich die Möglichkeit, Angestellte mit Werbeautos herumfahren zu lassen. Nur die fristlose Kündigung sah das Gericht als zu übertrieben an - eine fristgerechte Kündigung allerdings sei durchaus gerechtfertigt. Denn nackte Frauenbeine als Fotomotiv müssten Bedienstete auf dem Dienstwagen auf jeden Fall hinnehmen - homosexuell oder nicht.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 14. Oktober 2015, Aktenzeichen: 2 Ca 1765/15

Wienermobil

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Werbung auf Firmenwagen muss hingenommen werden
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18.12.2015 16:07
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