50 ct für einmal „Pipi-machen“ - Doch bekommt die Toilettenfrau das Geld wirklich?

Mittwoch, 08.10.2014 BJ

Wissen Sie, was eine „Sitzerin“ ist? Das sind die Damen, die dafür sorgen, dass Sie mehr oder weniger gerne auf öffentliche Toiletten gehen. Es sind unsere Toilettenfrauen.

Wir alle kennen dieses Bild:  In einem Gang neben den Toiletten sitzt eine dieser guten Geister und bittet mithilfe eines kleinen Porzellanschälchens um ein Trinkgeld. Für die meisten Kunden gehört es (zu Recht) zum guten Ton, der Toilettendame dann auch für die erbrachte Dienstleistung eine kleine Entlohnung zu hinterlassen. 

Das WC ist sauber…

Durch ein Urteil des Arbeitsgerichts Gelsenkirchen wurde aber nun ein Fall bekannt, in dem eine Reinigungsfirma gezielt eine Dame im weißen Kittel im Eingangsbereich der Toilettenanlage an einem Tisch platzierte. Entgegen des Anscheins sollte die Dame aber nicht die Toiletten reinigen, sondern lediglich dasitzen und die Trinkgelder einsammeln. Dafür sollte sie selber dann 5,20 Euro Lohn in der Stunde erhalten. 

…die Geschäftsmoral aber nicht.

Eigentlich ein toller Job und leichtverdientes Geld, oder? Das sah die „Pseudo-Toilettenfrau“ genauso und erledigte ihre Aufgabe gewissenhaft. Auf Nachfragen der Kunden durfte sie nur mitteilen, dass damit ihr Arbeitsplatz und der ihrer Arbeitskolleginnen finanziert würde. 

Als sie dann aber merkte, dass die Einnahmen auf ihrem Tellerchen teilweise bei über 1000 EUR am Tag lagen, und sie und ihre Kolleginnen quasi leer ausgingen, fand sie ihren Job gar nicht mehr so toll und zog vor Gericht.

Nutzungsentgelt oder Trinkgeld?

Doch wem stehen die Münzen oder Scheine nun zu? Die Klägerin machte vor dem Arbeitsgericht einen Auskunftsanspruch geltend. Sie wollte erfahren, in welcher Höhe durch diese Vorgehensweise Einnahmen in den letzten beiden Monaten erzielt worden waren. Das Arbeitsgericht gab ihr Recht und merkte zudem an, dass es davon ausgehe, dass der Klägerin auch ein - der Höhe nach noch unbestimmter Zahlungsanspruch - gegen ihren Arbeitgeber zustehe.

Textbezogene Paragraphen / Urteile: 

ArbG  Gelsenkirchen Urt. v 21.01.2014, Az. 1 Ca 1603/13

Münzen in WC

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