Warum 20 deutsche Familien demnächst obdachlos werden

Samstag, 28.02.2015 PK

Ihr ganzes Geld, ihr ganzes Herzblut und jede Menge Arbeit haben die Menschen in ihre Häuser gesteckt. Doch jetzt geht die Angst um in Burgwedel (bei Hannover): Die Behörden wollen, dass die Bewohner ausziehen. Entschädigungslos.

Insgesamt 20 Familien leben dort in einer ehemaligen Musterhaus-Siedlung. Sie alle haben die Immobilen vor Jahrzehnten gekauft, teils aufwändig renoviert. Und jetzt kam die schriftliche Aufforderung seitens der Behörden, die Häuser zu verlassen, weil sie in einem Gewerbegebiet stehen. Und was, bitte schön, ist daran falsch?

Wohnen nur in Ausnahmefällen

Dazu muss man wissen, dass „Wohnen in Gewerbegebieten nur dann zulässig ist, wenn das vor Ort ausgeübte Gewerbe es erfordert“. Heißt im Klartext: Ein Firmeninhaber darf in seinem Firmengebäude wohnen, ein Hausmeister an seinem Arbeitsplatz, der Leiter eines Betriebes auf dem Fabrikgelände. Doch in Burgwedel haben in den letzten 30 Jahren die Gebäudeeigentümer mehrfach gewechselt – und damit hat sich auch die Nutzung geändert. Deswegen ermittelt jetzt die Bauaufsicht der Region Hannover, ob die Nutzung legal ist.

Eine simple Lösung ist nicht gewollt

Wie immer gäbe es eine simple Lösung, mit der den Anwohnern geholfen werden könnte: Das Gebiet müsste von einem reinen Gewerbe- in ein sogenanntes Mischgebiet umgewidmet werden. Einen entsprechenden Antrag haben die Bürger bereits gestellt. Doch der wurde abgelehnt. Und vorerst steht nur die Drohung im Raum: Wer seine Sachen nicht packt, zahlt ein Bußgeld von 500.000 Euro. 

Bürokratie mit Hinterlist

Die Begründung für diese bürokratische Maßnahme ist übrigens mehr als fadenscheinig: Angeblich drohen Interessenkonflikte zwischen Anwohnern und Firmen. Lärm- und Geruchsimissionen sowie der Zulieferverkehr könnten zu Problemen führen. Als ob es in der Vergangenheit jemals Beschwerden darüber gegeben hätte!

Damit es Ihnen nicht auch passiert

Kann das in Deutschland jedem passieren, der ein Haus kauft? Im Prinzip ja, wenn man sich nicht vor dem Kauf schlau macht. Deshalb: Eine Nachfrage beim Katasteramt (Vermessungsamt) gibt ganz schnell Aufschluss darüber, ob man auf einem bestimmten Grundstück überhaupt wohnen darf. Die Burgwedeler haben das wohl nicht getan. Weshalb die ansehnlichen Klinkerbauten mit den gepflegten Vorgärten bald verwaist dastehen könnten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Baunutzungsverordnung (BauNVO) §8

Schaukel

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